Parteiprogramme

Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei und die Christlichsoziale Partei beschließen 1926 neue Parteiprogramme

Die beiden Parteiprogramme sind sehr unterschiedlich: die Forderung nach einem sozialistischen Gesellschaftsumbau nach den Vorstellungen der SDAPDÖ versus das religiös geprägte Konzept der Christlichsozialen Partei.

Das auf dem Parteitag am 3. November 1926 in Linz (Oberösterreich) beschlossene Programm der Sozialdemokraten gilt „als eines der wichtigsten Dokumente des Austromarxismus“. Die „lückenlose Durchführung des Achtstundentages“ oder die „Unentgeltlichkeit des Unterrichtes, der Lehr-, Lern- und Arbeitsmittel auf allen Unterrichtsstufen“ sind Forderungen daraus.
In einem Ausschnitt dieses „Linzer Programms“ heißt es, dass bei Widerstand der wohlhabenden Bürgerschaft eine Diktatur der Arbeiterklasse notwendig werden würde („den Widerstand der Bourgeoisie mit den Mitteln der Diktatur zu brechen“). Diese klassenkämpferische Sprache führt zu heftiger Kritik und verhärtet die politischen Gegensätze.

Am 29. November findet ebenfalls in Linz eine Sitzung des Parteirats der Christlichsozialen Partei statt. Auch hier wird ein neues Parteiprogramm beschlossen. Darin findet sich u.a. neben vagen Vorstellungen eines Ständestaats („Als Volkspartei betrachtet sie alle Berufsstände grundsätzlich als gleichberechtige Glieder der Volksgemeinschaft.“) und einer eindeutig antisemitischen Haltung auch das Bekenntnis zur Demokratie: „Die christlichsoziale Partei bekennt sich zum demokratischen Staate und fordert daher volle Gleichberechtigung aller Bundesbürger in der Ausübung politischer Rechte, Freiheit der Gesinnung und des Organisationswillens. Sie weist mit Entschiedenheit jeden Versuch zur Aufrichtung einer Klassendiktatur zurück.“

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