Protest jüdischer Schwimmerinnen

Jüdische SportlerInnen haben für den österreichischen Sport schon länger eine wichtige Rolle gespielt. Vor den Olympischen Sommerspielen 1936 in Berlin kommt es zum Protest jüdischer Schwimmerinnen.

Im Sommer und Herbst 1935 ist Judith Deutsch die erfolgreichste Athletin des Hakoah-Schwimmteams und wird zur österreichischen Sportlerin des Jahres gewählt; sie hat zwölf Bestzeiten aufgestellt. Hakoah (hebräisch für „Kraft“) ist ein jüdischer Sportverein, der 1909 gegründet wurde.

1936 werden Judith Deutsch, Ruth Langer (s. Foto) und Lucie Goldner für die Olympischen Sommerspiele in Berlin (Deutschland) nominiert. Aus Protest gegen die „Nürnberger Gesetze“ (1935) verweigern sie jedoch die Teilnahme. In einem Brief an den Verband der Österreichischen Schwimmvereine erklärt Deutsch: „Ich kann als Jüdin an den Olympischen Spielen in Berlin nicht teilnehmen, weil mir das mein Gewissen verbietet.“ Den drei Sportlerinnen werden daraufhin die nationalen Titel aberkannt und der Verband sperrt sie auf Lebenszeit. Erst nach internationaler Kritik werden die Sperren auf zwei Jahre verkürzt. Deutsch wandert noch im selben Jahr aus und lässt sich mit ihrer Familie in Haifa (Palästina) nieder. Ihre Kolleginnen Langer und Goldner flüchten nach dem „Anschluss“ 1938 aus Österreich.

Erst in den 1990er-Jahren kam es zu einer offiziellen Entschuldigung und Wiederanerkennung der Titel, Medaillen und Rekorde von Judith Deutsch. Da sie nicht nach Österreich kommen wollte, wurde ein Entschuldigungsschreiben von einer Delegation überbracht.

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