Ge- und Bedenkjahr

Ein Theaterstück und ein Mahnmal sind 1988 künstlerischer Ausdruck des Erinnerns an die NS-Zeit. „Heldenplatz“ und Albertinaplatz geben Anlass für viele Debatten.

Am 4. November 1988 wird Thomas Bernhards „Heldenplatz“ im Wiener Burgtheater uraufgeführt. Das Drama thematisiert 50 Jahre nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich die Rückkehr einer 1938 emigrierten jüdischen Familie. Professor Schuster, die zentrale Figur, nimmt die österreichische Bevölkerung als nach wir vor antisemitisch und undemokratisch wahr. Er stürzt sich im März des Bedenkjahres 1988 aus der Familienwohnung am Heldenplatz in den Tod.

Während der Uraufführung gibt es Zwischenrufe aus dem Publikum. Nach der letzten Szene wird es laut im Theatersaal: Der Premierenapplaus wird durch Buh-Rufe und Pfiffe gestört.
Bereits vor dieser ersten Aufführung gibt es heftige Auseinandersetzungen rund um das Theaterstück. So macht u.a. die Kronen Zeitung Stimmung gegen die geplante Aufführung: Als Überschrift für einen Artikel wird die Textzeile „Österreich, 6,5 Millionen Debile“ aus dem Stück verwendet. Diese und weitere Schlagzeilen sorgen für Diskussionen in Politik und Gesellschaft. Vor dem Burgtheater wird ein Misthaufen als Zeichen des Unmuts abgeladen.

Nicht nur dieses Theaterstück, sondern auch ein Monument regt das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus an und führt zu öffentlichen Diskussionen. Am 24. November wird das Mahnmal gegen Krieg und Faschismus des Bildhauers Alfred Hrdlička am Wiener Albertinaplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk aufgestellt. Vor allem die Bronze-Skulptur „Der straßenwaschende Jude“ fällt auf. Sie zeigt einen unter Stacheldraht knienden alten Mann (s. Abbildung).

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